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POMMEREL Agenturgebäude
Prof. Dr. Stephan Kull
9. Mai 2018

„Digitale Anwendungen müssen Nutzen stiften.“

Teil 2: Wie online sind wir, wenn wir offline sind?

Im zweiten Teil unseres Interviews mit Prof. Dr. Stephan Kull thematisieren wir, wie Live und Digital sich bedingen können, um neue Erlebnisräume zu schaffen. (Für alle, die den ersten Teil verpasst haben – hier entlang.)

POMMEREL: Lieber Prof. Kull, wir sprachen im letzten Teil über die unterschiedlichen Nutzen von AR-Anwendungen. Die Verbindung zwischen der digitalen Welt und dem realen Leben ist gegenwärtig und in Zukunft ein interessantes Thema für uns. Inwieweit ergibt sich für Sie aus Live und Digital eine Symbiose oder vielleicht sogar eine neue Marketingstrategie?

Kull: Die Verbindung beider Welten sehe ich sehr intensiv. Die Verschmelzung zwischen online und offline zeigt z. B. die App SHAZAM: offline läuft der Song, online tracke ich ihn und kann später darauf zurückgreifen.

Ein weiteres Praxisbeispiel ist der Online-Händler Amazon, der mit seinem Projekt Amazon Go den Offline Handel revolutionieren könnte. Amazon Go verbindet das Live-Erlebnis mit Vorteilen des Online-Shoppings und ermöglicht so einen Supermarkt ohne Kassen. Hier muss niemand mehr in der Schlange stehen. Datenschutzrechtlich könnte diese Art von Supermarkt für Europa allerdings eine Hürde darstellen.

 

POMMEREL: Vom Supermarkt zur Innenstadtrevitalisierung. Gibt es Praxisbeispiele in denen Städte sich dem Prinzip der Augmented Reality bedienen, um wieder mehr Kunden anzulocken?

Kull: Die Future-City Langenfeld ist hier ein gutes Beispiel, wie im Handel online und offline verzahnt werden kann. Um aber den Bogen zu lokalen Beispielen zu schlagen: Wir selbst denken gerade in einer Bachelorarbeit über eine App für die Stadt Varel nach. Mit 20 Stadtteilen, die im wahren Leben dezentral vernetzt sind möchten wir online ein Zentrum schaffen. Einen virtuellen Verbund, der das reale Zugehörigkeitsgefühl stärkt.

 

POMMEREL: Inwiefern kann sich der Einzelhandel in dieser Vernetzung einbringen?

Kull: Der Einzelhandel in Innenstädten könnte wesentlich enger zusammenarbeiten, um sich gegenseitig zu stärken. Gerade das Stadtmarketing und das Place Branding kann durch die Digitalisierung der Innenstädte noch interessanter werden. Wichtig ist dafür jedoch, dass sich die Einstellung von Einzelhändlern dahingehend verändert, dass sie sich selbst als kommunikatives und lokales Netzwerk verstehen, um neue Kunden anzulocken. Nehmen bei einem Netzwerk nicht genügend Leute teil, scheitert es – da kann man sich vorstellen, wie einzelne Einzelhändler, auch offline, in einem Netzwerk dastehen.

 

POMMEREL: Das bestärkt noch einmal Ihre Eingangsthese: Die Anwendungen sind nur dann spannend, wenn Synergien erzeugt werden. Bezogen auf das Nutzerverhalten: Wie sehen Sie allgemein die Entwicklung der Nutzung von digitalen Anwendungen in Deutschland? Gibt es Prognosen?

Kull: Das ist schwer zu beantworten. Es gibt Meinungen, die besagen, dass sich, bedingt durch die Oberfläche des Smartphones, AR nur sporadisch durchsetzen wird. Für die Nutzer im Alltag sind AR-Anwendungen auf dem Smartphone zu klein dargestellt, zu umständlich und zu arbeitsintensiv. Andere Endgeräte wie Brillen oder einsetzbare Linsen sind bereits entwickelt worden. Momentan wird die Koalition von Maschine und Mensch noch vorsichtig betrachtet. An bestimmte Maschinen hat sich der Mensch aber schon so sehr gewöhnt, dass er sie gar nicht mehr als Fremdkörper betrachtet. Das beste Beispiel ist ein Navigationssystem. Die Maschine zeigt uns wo es langgeht, weist uns sogar darauf hin, dass wir Fehler machen und wir folgen ihren Anweisungen – obwohl wir es eventuell besser wissen könnten. Allerdings ist der Mensch, wie gesagt, bequem, und lässt sich von der Maschine leiten.

 

POMMEREL: Da erkennen auch wir uns in unserem Alltag.

Kull: Richtig. Allein die Quantify-Self-Bewegung, die in den letzten Jahren und auch heute noch für viele Menschen den Schlüssel zur Selbstoptimierung darstellt, wäre ohne Apps, Schrittzähler oder Uhren mit Pulsmesser kaum möglich. Das Gerät weiß mehr über mich und meinen Körper als ich selbst. Aber solange der Nutzen gesehen wird, nehmen die Konsumenten die Maschine in Kauf.

Worauf ich hinaus will ist: Die Dinge sind eigentlich schon längst da. Wir befinden uns jeden Tag in einem Prozess der stetigen Digitalisierung, Vertechnisierung und einer Verschmelzung von Mensch und Maschine. Die Benennung ist es, was dem Menschen Angst davor macht, weniger der Prozess selbst. Weitere Ängste liegen immer wieder im Schutz persönlicher Daten und Privatsphären. Da gilt es entsprechend vorzubeugen.

 

POMMEREL: Zum Abschluss noch eine kurze Frage mit kurzer Antwort. Was würden Sie uns allgemein für den Einsatz von Digitalität im Live-Marketing empfehlen?

Kull: Digitalität ist nur dann sowohl für Unternehmen als auch für ihre Kunden interessant, sobald bei der Verbraucher in der Nutzung der Anwendung einen ersichtlichen Vorteil erkennt. Wovon ich abraten würde, ist, AR oder VR nur aufgrund der Modernität einzusetzen.

 

POMMEREL: Aus Ihrer Expertise im Bereich Digitalisierung im Marketing und unseren Erfahrungen im Erlebnis-Marketing sind bereits spannende Berührungspunkte, wie etwa bei der Revitalisierung der Innenstadtpassage Herbartgang in Oldenburg, entstanden. Lieber Prof. Kull, wir schätzen unsere Zusammenarbeit sehr. Vielen Dank für das informative Interview. Wir freuen uns auf weitere, interessante Projekte mit Ihnen.

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